Als der Landwirt August Müller das Hofgut kaufte, befand sich das Wohnhaus sowohl im Inneren als auch von der äußeren Optik her gesehen in einem äußerst desolaten Zustand. Seit dem Erwerb wird es restauriert und renoviert.
Das Aussehen der Alten Burg 1924
Da sich sowohl das Aussehen der Burg als auch die räumliche Ausgestaltung in den letzten Jahren sehr verändert hat, dürfte es von Interesse sein, eine Beschreibung von Herrn Lehrer Bohrmann (1929) heranzuziehen.
"Wie schon erwähnt ist sie in verschiedenen Bauperioden entstanden. Dies macht sich sowohl in ihrem äußeren Gepräge wie auch in der Raumverteilung im Innern bemerkbar. Die Wände des Erdgeschosses sind aus Bruchsteinmauerwerk, das von ganz verschiedener Dicke ist. Die Obergeschosse zeigen schönes Fachwerk, das unter Putz liegt. Betreten wir das Haus, so kommen wir in einen kleinen Flur. Links führen einige Stufen hinauf zur Küche, die ehedem wohl dem in Aull amtierenden Kaplan als Wohnraum gedient hat und in dem auch der Zugang zu dem Gewölbe lag, wo der Hausaltar stand. Rechts ist ein schmales langgestrecktes nicht unterkellertes Zimmer, das als Tagesraum für das Gesinde diente. In dem dahinter liegenden Raum stand der Brunnen. Zugänglich ist das Zimmer von der großen Diele aus, zu der wir durch die eigentliche Haustüre der Burg gelangen. Links der großen Diele liegt die ehemalige Burgküche. Rechts führt eine Treppe zu dem ehemaligen Wohnzimmer der Frauen, an das sich ein Alkoven anschließt. Unter diesem Raum ist der Burgkeller, der mit seinen alten Gewölben den Eindruck in uns verstärkt, daß dieser Teil des Baues schon sehr alt sein muß. Folgen wir der Wendeltreppe in das Obergeschoß, das mit seinen drei Fluren wieder die einzelnen Bauperioden deutlich macht. Im östlichen Teil sind zwei sehr geräumige Zimmer, der rechte Seitenflügel enthält ursprünglich nur ein Zimmer, das Herrenzimmer und der westliche Teil hat vier Räume, so daß das Obergeschoß 8 Zimmer enthält, da im Herrenzimmer eine Scheidewand eingezogen wurde. Im II. Obergeschoß sind nur im östlichen Teil zwei heute nicht mehr bewohnbare Zimmer, während der übrige Teil Speicherböden enthält. Die Wendeltreppe, die ja im ältesten Bau liegt, führt weiter auf einen doppelten Speicherboden, ist aber im oberen Teil von rohen Händen zerstört und nicht mehr zu benutzen.
Die kurze Beschreibung des Gebäudes zeigt deutlich, daß die kleine Wasserburg kein ausgesprochener Wehrbau, sondern ein Gutshof war. Irgendwelche Wehrgänge usw. waren nicht vorhanden. Wohl scheinen auf der Nordseite des Herrenhauses kleine Balkons gewesen zu sein, die aber für eine Verteidigung wenig Bedeutung hatten. Die Lage im Sumpf und die Nähe des starken Grafenschlosses in Diez machten eine starke Befestigung überflüssig. Die alte Burg hat, wie wir sahen, eine reiche Vergangenheit. Ihre Geschichte zeigt sie uns als ein befestigtes Hofhaus, dessen Wohngebäude einem Herrenhaus einer kleinen Wasserburg nachgebildet war, wie es ja sicher in der Absicht der Erbauer lag. Die alte Burg ist ein Zeuge längst vergangener Tage und ist es wert, daß sie erhalten bleibt. Sie steht heute unter Denkmalsschutz. Hoffen wir, daß sich auch in Zukunft Mittel und Wege finden, unser Wahrzeichen vor dem Verfall zu schützen."
Portal mit der Jahreszahl 1558
In den ältesten Teil der Burg (Kern) gelangt man durch ein Portal in die große Diele, von der aus die Wendeltreppe zu erreichen ist. Auf dem Bogen des Portals ist die Zahl 1558 zu lesen. Das lässt darauf schlie-ßen, dass der Anbau eine spät-gotische Anlage ist. Jedoch wurde das Gebäude durch zeitlich unterschiedliche An- und Umbauten in seinem Äußeren mehrfach verändert.
Hölzerne Wendeltreppe
Der Kern der Burg ist ein rechteckiges, dreistöckiges Haus mit schiefergedecktem Krüppelwalmdach.
Einen Teil der originalen Schiefereindeckung kann man heute noch vom ersten Speicher aus sehen. Ebenso sind noch Teile der Eichenstreben und des Weidengeflechtes, das das Fachwerk ausfüllt, sichtbar. Einst waren auch diese Fächer mit Lehm verputzt.
Die hölzerne Wendeltreppe scheint jedoch zu einem früheren Zeitpunkt (etwa um 1500) eingebaut worden zu sein. Sie besteht aus einem durchgehenden Baumstamm mit einer Länge von 8,3 m. Der Handlauf ist durch Auskehlung eingearbeitet, die Eichenstufen sind noch original.
Die Alte Burg, auch Wasserburg genannt, ist eines der letzten Beispiele der früher so zahlreichen rheinischen Fachwerkburgen (vergleichbar mit dem Haus Laach, Kreis Bergheim/Erft und dem Haus Fürth, Kreis Grevenbröich.
Die Auller Burg gefällt durch den einfachen, tektonischen Aufbau des Fachwerkgerüstes mit der weitgehenden Verwendung von senkrechten und waagerechten Hölzern. Besonders malerisch ist die Giebelwand des südöstlichen Anbaus, wobei die wandhohen Verstrebungen an den Eckständern und beidseitig an dem mittigen Bundständer und dem Firstständer auffallen.
Das Fachwerk auf dieser Seite ist verzapft, dagegen ist das Fachwerk an der Nordseite (die älteste Seite) verplattet, das heißt, ein Balken fügt sich in den anderen ein.